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"Wollt Ihr in den Westen rüber machen?"

Die Menschen der ehemaligen DDR sind schneller aufgetaut als unsere Bratwürste!

Der erste heiße Kaffee seit 3 Tagen, Brötchen frisch vom Campingbäcker.

Wir sind als komische Idioten mit Froschanzug auf den Campingplatz gekommen. Keiner wollte uns Kohle für unsere teuer gekauften Bratwürste verkaufen. 

Wir sind als Helden mit kleinen Fans vom Campingplatz gegangen. Die Menschen der ehemaligen DDR sind schneller aufgetaut als unsere Bratwürste! Sie haben langsam und vorsichtig, aber interessiert und sehr lustig gefragt. Highlight war das „Wollt Ihr in den Westen rüber machen?" ;-)  

Die Kinder und Eltern haben uns begleitet und wollten alle ungläubig sehen, wir wir mit diesen „Kinderbooten“ und dem ganzen Gepäck wieder ablegen. Die Kinder rannten aufgeregt winkend hinter den Booten her. Auch irgendwie Strange, fast wie Ureingeborene: alle nackt. Natürlich. Hat uns aber ein weiteres Lächeln in die Gesichter gezaubert. Der Rest ist schnell erzählt: 
Traumhafter Wind, traumhafte Sonne, zwischendurch immer mal ein paar Schläge mit größtmöglicher Krängung für noch mehr Segelspaß. Dadurch geänderter Wind sorgt nach Etappen mit Raum-Wind-Kurs mal für angenehme Kühlung unter dem Neo.
Man sieht große, Dorsche die dunkle Schatten auf dem hellen Sandboden hinterlassen.
Wir sahen auch tatsächlich ein Wrack: ein Ruderboot war offensichtlich nicht so erfolgreich gegen die Wellen wie wir.

Die Würste! 

Wir sprechen uns - haben wir ja inzwischen gelernt - nebeneinander segelnd ab. (Übrigens: wenn ein Topper einem Laser den Wind nimmt, sind beide exakt gleich schnell ;-) Wir wollen die Würste mit Treibholz an der Robinson-Crusoe-Stelle grillen. Wir haben uns langsam dran gewohnt: Nackt? Natürlich!
Ist aber ganz schön fettig, so eine Wurst. Anleger. Prost!
Möglicherweise ist offenes Feuer wieder nicht legal und hätte teuer werden können, wir wissen es nicht. Wir halten die Feuerstelle daher nicht nur klein und raucharm, wir löschen sie äußerst gewissenhaft, beschweren sie mit nassem Sand gegen Funkenflug und passen sie optisch mit Kies der Umgebung wieder an. Natürlich.
Eine letzte Etappe bis Rostock, Hohe Dühne. Man fühlt sich glücklich, erfüllt von Eindrücken. Klar, einem 50 Jahre alten Seesack tun nach 3 Tagen in solchen Booten alle Knochen weh. Aber weder Muckibude noch eine attraktive Jogalehrerin hätte Rückenschmerz in körperliche Fitness mit einer derartigen Portion Glücksgefühl wandeln können.
Abschluss in Rostock: Gepäck in die Autos und noch Just for Fun 1 Stunde segeln. Jetzt merkt man erstmal, was man aus den Booten bei dem Wind und der Welle rausholen kann. Hätten wir vor Abfahrt ein paar Schläge ohne Gepäck gesegelt - wir wären drei Tage frustriert mit dem Gewicht rumgeschippert. Aber so war es der krönende Abschluss. Nach einer Stunde Absprache auf dem Wasser: „Wir wollten ja um 18:00 aufhören!?“ „Ja, aber is so geiler Wind gerade.“ „Finde ich auch. Lass uns 19:00 sagen.“ „Bin dabei…"

Plötzlich: Lenzventil Topper undicht. Massiver Wassereinbruch. Das hatte ich schon mal auf dem Gardasee und das ist lebensgefährlich: Das Boot läuft in ein paar Sekunden voll und man wird manövrierunfähig. Der Wind drückt einen an die Felsen der Hafenmauer, das Boot wäre Schrott und man selber kann von der Brandung zwischen Boot und Felsen zerquetscht, vielleicht sogar zerfleischt werden. 

Panik, Wende, sofort an Land. Ich kann das Lenzventil dann immerhin dicht drücken und das Wasser mit einer Hand regelmäßig "rauspitschen“. In Ufernähe mit Respektabstand zu den Felsen dürfen wir dann gemeinsam doch noch eine halbe Stunde Fun erleben.
Am Ende sind wir nicht einmal gekentert. Aber als Tipp: Ein Ersatz-Lenzventil muss bei Mehrtagestouren an Board sein. Auch das Lenzventil des Laser war nach der Tour durch den Sand fertig. 
19:00 Hänger holen, abtakeln, umziehen und alles packen und dann los.
„Wo ist denn der Schlüssel?“
„Ich habe ihn nicht.“
„Ja ich aber auch nicht.“
Um es kurz zu machen: alles wieder auspacken - suchen - nix.
Wir durchkämmen 2 Stunden lang ca. 300 qm Sand auf allen Vieren. Braucht kein Mensch.
Parallel Provinzial Schutzbrief anrufen: „Schlüsselverlust ist leider nicht enthalten.“
Dann ADAC Schutzbrief von Peer: „Wenn Sie alleine im Auto gesessen hätten, dann hätten wir geholfen“
Der Besitzer des Autos: „Einen Ersatzschlüssel hätten wir - aber in Münster…“
Autovermietung anrufen: „Am nächsten Tag ab 8:00 wäre geöffnet."
Unnötig zu erwähnen, dass Auto mit Hänger unverschlossen sind und wir einen Hubschrauber-Landeplatz blockieren…

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit: Schlüssel gefunden. Keiner kann sich bis jetzt erklären, wer den wann dort verloren haben soll. Egal: Obstler raus! Minischluck versteht sich, da Abfahrt ist, ca. um 22:00 Uhr. Nachts um 4:00 Uhr kommen wir in Warendorf an, kurz nasse Sachen in die Waschmaschine stecken, so daß wir um 5:00 Uhr im Bett sind.